Alles rosa Prinzessinnen- alles nachhaltig? Frauenbild in der Mode

Frauentag 1AsF-Vorsitzende und Stadtratskandidatin Caroline Linner, Referentin Gaby Herzig-Walch, Stadträtin Gerda Braun


Was sagen wir den Töchtern und was sagen wir den Söhnen über Frausein und Frauenbild, wenn die Kinderabteilungen der Kaufhäuser vor Pink und Glitzer nur so leuchten und Mädchen darin zu niedlichen Prinzessinnen gemacht werden?

Das war eine der Fragen, die beim Treffen der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) zum Internationalen Frauentag diskutiert wurde. Caroline Linner und Gerda Braun, die Vorsitzenden der AsF, hatten Gaby Herzig-Walch, promovierte Psychologin vom FrauenWerk Stein e.V. in der Evang.-Luth. Kirche in Bayern, Fachstelle für Frauenarbeit, zu einem Vortrag mit dem Titel „Mode und Bewusstsein. Rollenbilder und Alternativen.“ eingeladen. Fast 40 Frauen waren zu der Veranstaltung gekommen.
Gaby Herzig-Walch sprach über Mode in ihrer politischen und gesellschaftlichen Bedeutung und stellte fest, dass VerbraucherInnen immer häufiger sowohl die ökologischen als auch die sozialen Herstellungsbedingungen kritisch hinterfragen und Nachhaltigkeit sowie faire und ökologische Produktionsbedingungen einfordern. Dazu zählte die Referentin eine Reihe von Beispielen auf, so auch Neuentwicklungen des so genannten „Upcyclings“. Dabei werden Altkleider weiterverarbeitet, durch ein Design neu gestaltet, anschließend verkauft und wieder getragen. Dadurch schafft Kleidung Mehrwert und Nachhaltigkeit. In Berlin entstand daraus das Label „water to wine“ von jungen ModedesignerInnen.
In vielen großen Städten etablieren sich Bekleidungsläden, die sozial faire und ökologisch verträgliche Mode von der Baumwollpflanzung bis zum letzten Knopf garantieren. Gerade in Nürnberg gibt es dazu Angebote und es gibt eine Informations- und Aufklärungskampagne über Herstellungs- und Verkaufswege. „Gut aussehen mit gutem Gewissen“ dafür wirbt der Weltladen der katholischen Stadtmission mit „Fairkauft“-Stadtführungen und auch mit einer pädagogisch-didaktisch gut vorbereiteten und verleihbaren „Modekiste“.

Frauentag 2

Neben den politischen Impulsen zum Thema „Mode“ stellte Gaby Herzig-Walch auch die individuellen und psychologisch wirksamen Aspekte von Modeidealen und Rollenbildern vor. „Pinkstinks“ ist eine Initiative für ein kritisches Medienbewusstsein, gegen die „Pinkifizierung“ der Mädchen und gegen die Sexualisierung der Werbung. Die Mode für Kinder soll nach Pinkstinks bunt sein, mit Aufdrucken von tanzenden Piraten und Fußball spielenden Prinzessinnen. Mädchen wie auch Jungen sollen in ihren persönlichen Möglichkeiten nicht durch Rollenstereotype beschränkt werden, sondern sie sollen Rollenvielfalt erfahren können. Die Medienkompetenz von Pinkstinks wird geschätzt und die Vertreterinnen werden zu Fachkongressen und Medienfachgesprächen eingeladen.

Lassen wir Mode also nicht zur Fessel werden, sondern zum Schmuck, den wir selbst auswählen, den wir für unsere Nachkommen bedenken und den wir als politisches Handlungsinstrument nutzen, so das Fazit von Gaby Herzig-Walch am Internationalen Frauentag. Gemäß dem Motto „Heute für morgen Zeichen setzen“ eignet sich Mode im Besonderen dazu politische und persönliche Zeichen zu setzen.
Das FrauenWerk Stein hat zum Thema „Anziehend!? Mode und Bewusstsein“ in den „Steiner Losen Blättern“ eine Arbeitshilfe herausgegeben und darin einen Vorschlag für einen Projekttag entwickelt.